DAS PFADFINDERTUM IN ZEITEN VON COVID-19

UPDATE VOM 29/10: WARUM WIR AN DEN VERSAMMLUNGEN FÜR UNTER 12-JÄHRIGE FESTHALTEN

Am Montag, dem 26/10/2020 haben die 5 Jugendbewegungen der Französischen Gemeinschaft die Belgian Pediatric task force kontaktiert, um die offizielle Meinung von Professionellen aus dem Bereich der Kindergesundheit einzuholen. Wir haben es uns seit Beginn der Pandemie zur Gewohnheit gemacht, die vorgegebenen Auflagen zu hinterfragen und nicht zu zögern, die Maßnahmen unsererseits zu verschärfen, sollte dies uns nötig erscheinen.

Genau das haben wir im aktuellen Fall getan. Nachdem wir die Antwort der pädiatrischen Task Force erhalten haben, und nachdem wir uns intern beraten haben, haben die fünf Jugendbewegungen sich dazu entschlossen alle Aktivitäten für die über 12-jährigen abzusagen.

Aktivitäten ohne Übernachtung bleiben also für unter 12-jährige erlaubt, gewisse Regeln vorausgesetzt. Diese Entscheidung berücksichtigt einerseits das gesundheitliche Risiko (die Krankheit tritt nur selten bis gar nicht bei Kindern auf) und anderseits das Wohlbefinden der Kinder (Bedürfnis sozialer Bindungen, Raum sich mitzuteilen, Spielen, …).

Dies wurde übrigens im ministeriellen Erlass vom 28/10 bestätigt.

Das Beibehalten der Aktivitäten ist übrigens nicht verpflichtend. Wir unterstützen jede Einheit, jede Sektion in ihrer Entscheidung, unter Berücksichtigung der jeweiligen eigenen Umstände (vor allen Dingen lokaler Natur).

COVID-19: WIE TREFFEN LES SCOUTS IHRE ENTSCHEIDUNGEN?

Warum haben sich die Protokolle im Vergleich zum Jahresbeginn geändert? Warum Gruppen von 50, 20 oder anderen Größen? Wir erhalten eine Vielzahl von Fragen und es ist legitim sie zu stellen. Damit jeder es nachvollziehen kann, erklären wir hier, wie die Mechanismen der Entscheidungsfindung bei Les Scouts funktioniert.

Beginnen wir damit, unsere Grundaufgabe in Erinnerung zu rufen. Diese ist es, den Kindern den Zugang zum Pfadfindertum zu ermöglichen. Dies ist unsere Daseinsberechtigung und wir sind von den Vorzügen und seinem wesentlichen Charakter, gerade in unserer heutigen Zeit, überzeugt. Eine Vielzahl von Experten*innen (Generaldelegierter für Kinderrechte, diverse Minister*innen, Kinderärzte*innen) heben das Bedürfnis nach Beziehungen der Kinder hervor, wenn es um ihr Wohlergehen geht.

Selbstverständlich wollen wir diese Aufgabe nicht um jeden Preis erfüllen! Wir möchten das Pfadfindertum anbieten und die Kinder bei ihrer Entwicklung unterstützen, aber nicht mit dem Risiko ihre Gesundheit zu schädigen, deswegen stützen wir uns auf die Meinungen der Gesundheitsexperten*innen.

Deswegen gilt es, ein Gleichgewicht zwischen körperlicher und geistiger Gesundheit, zwischen physischem und psychischen Wohlbefinden zu finden. Das ist es, was wir in dieser komplizierten Zeit Tag für Tag tun.

Wenn wir Aktivitäten erlauben oder verbieten, basieren wir uns auf die Protokolle die wir von Jugendministerium erhalten. Diese Protokolle werden mit dem gesamten Jugendsektor beraten und berücksichtigen die Umstände aller Betroffenen. Anschließend werden diese zuerst von Gesundheitsexperten aus medizinischer Sicht (Gruppe für Risikomanagement, Pädiatrische Task Force, Virologen, …) und schließlich von den politischen Instanzen (NSR, mittlerweile Konzertations-Komitee)

Wir erhalten somit ein Protokoll, das von einer Reihe von Akteuren validiert wurde, die der Ansicht sind, dass die Aktivitäten, die innerhalb des geplanten Rahmens und in Übereinstimmung mit den angegebenen Maßnahmen stattfinden, innerhalb eines akzeptablen Risikograds liegen (derzeit besteht kein Nullrisiko, da das Virus überall zirkuliert). Wir "übersetzen" dieses Protokoll dann in eine Pfadfinder-Sprache, die an unsere Gegebenheiten angepasst ist (das Protokoll richtet sich an den gesamten Sektor mit sehr unterschiedlichen Realitäten). Dann veröffentlichen wir diese Maßnahmen für unsere Mitglieder: Dies sind die Bedingungen, unter denen unsere Aktivitäten stattfinden müssen, um:

  1. Rechtlich im Rahmen zu sein; 
  2. Das Risiko im vertretbaren Rahmen zu halten.

Die einzuhaltende Alarmstufe wird ebenfalls durch das Ministerium festgelegt. Darauf haben wir also keinen Einfluss.

Natürlich nehmen wir nicht alle Informationen, die wir erhalten für bare Münze. Wir versuchen die Direktiven, die wir erhalten zu verstehen und hinterfragen diese, bewusst und kritisch, wie wir nun mal sind.

Erscheinen uns die Maßnahmen übertrieben, unrealistisch oder nicht umsetzbar, versuchen wir den Grund, welcher sich hinter ihnen verbirgt, zu erkennen, damit wir Lösungen, die unseren Gegebenheiten angepasst sind anbieten zu können.

Erscheint uns eine Regel ungeeignet (z.B. aus gesundheitlich Sicht zu lasch), bitten wir die Experten*innen unseres Netzwerks um Rat, die uns dann erklären, warum diese Maßnahme getroffen wurde. Es bieten sich dann zwei Möglichkeiten:

  • Entweder, die Erklärung ist überzeugend, und wir können dies unseren Mitgliedern selber vermitteln;
  • Oder die Erklärung erscheint uns unzureichend und wir gehen über die staatlichen Empfehlungen hinaus, um sicherzustellen, dass die Animationsarbeit die Sicherheit aller garantiert.
  • Es ist wichtig zu wissen, dass das Virus weitaus weniger in den niedrigen Altersgruppen der Bevölkerung zirkuliert. Kinder (hauptsächlich unter 12 Jahren) sind also weniger gefährdet sich selber oder andere anzustecken. Sollte dies trotzdem der Fall sein, sind sie meistens asymptomatisch und entwickeln keine (oder nur wenige) schlimmere Formen der Covid-19 Erkrankung. Ein Kind ist somit nicht mit einem Erwachsenen vergleichbar.
  • Die Maßnahmen des Jugendsektors richten sich vornehmlich an Kinder und werden auch in diesem Sinne getroffen. 

Als Verband sind wir für die Vermittlung und nicht für das Resultat verantwortlich. Wir können nicht garantieren, dass die Teilnahme an Pfadfinderaktivitäten nicht die ein oder andere Ansteckung nach sich zieht, dies gilt leider für die gesamte Gesellschaft. Allerdings tun wir alles dafür, Ansteckungen während der Pfadfinderaktivitäten zu vermeiden. Wenn die Regeln richtig befolgt werden, ist das Risiko minimal.

Die Leiter*innen können nicht verantwortlich gemacht werden, es sei denn sie hätten die Erkrankung eines Kindes billigend in Kauf genommen, woran wir allerdings mehr als große Zweifel hegen.,

Die Verantwortung, sein Kind an einer Pfadfinderaktivität teilnehmen zu lassen oder nicht, bleibt auf der Seite der Eltern, die die Möglichkeit haben müssen sich auszudrücken sollten sie sich nicht wohl fühlen, und deren Entscheidung respektiert werden muss.  

Die Verantwortung, Versammlungen oder Weekends zu organisieren liegt auf Seite der Leiter*innen und der Einheitsequipen. Es besteht keinerlei Verpflichtung, eine Aktivität zu veranstalten, bei der man sich nicht wohl fühlt.

Sie sehen also, wir tun unser Bestes, um die Sicherheit bei den Pfadfinderversammlungen zu garantieren, aber wir verpflichten zu nichts. Sollte ein Elternteil sich mit dem Gedanken, sein*ihr Kind an einer Versammlung teilnehmen zu lassen nicht wohl fühlen, steht es ihm*ihr frei sich dagegen zu entscheiden. Sollte ein Staff sich nicht wohl dabei fühlen, auf Weekend zu fahren, so soll er dies ebenfalls nicht tun. Wir respektieren und unterstützen diese Entscheidungen voll und ganz. 

Wir stehen stets zur Verfügung um die Einheiten in dieser schwierigen Lage zu unterstützen und um auf sämtliche Fragen und Interpellationen zu antworten, egal ob sie von einer Einheitsequipe, einem*r Leiter*in oder einem Elternteil stammen.

Ist eine erststattung des mitgliedsbeitrags möglich?

Was den Verbandsanteil des Beitrags (45 €) betrifft, so ist es nicht möglich diesen ganz oder teilweise zu erstatten, sollten die Pfadfinderaktivitäten abgesagt werden.

Dieses Geld deckt nicht nur die Haftpflichtversicherung sowie die Versicherung für körperliche Schäden unserer Mitglieder, sondern dient auch zur Finanzierung zahlreicher Mitgliederdienste (Leiterschulungen, Erstellen von pädagogischen Veröffentlichungen, Publikation der Zeitschriften, etc.).

Mit den Versicherungen zu verhandeln würde viel Zeit und Energie kosten und am Ende käme nur ein kleiner Betrag für die Eltern dabei heraus. Dahingegen ist die Solidarität unter Mitgliedern in diesen Zeiten wichtiger denn je und die angebotenen Dienste am Sitz des Verbands (der 21) laufen ohne Unterbrechung weiter. 

Unsere ungefähr 60 Angestellten in der professionellen Struktur leisten, heute mehr denn je, eine enorme Arbeit:

  • Erstellen der Protokolle: sowie zahlreiche Versammlungen mit den zuständigen Einrichtungen sowie stetige Anpassungen abhängig von der Situation;
  • Eine Vielzahl von Mitteilungen: E-Mails, Sonderausgaben unserer Zeitschriften, regelmäßige Updates der Website, News in den sozialen Netzwerken, Beantworten zahlreicher Fragen per Mail, Kommentare, Anrufe, etc.;
  • Erstellen pädagogischer, der Situation angepassten, Werkzeuge: Wie teile ich eine Sektion auf, das Einheitsleben auf Distanz organisieren, Ideen für online Aktivitäten, Ratschläge um virtuelle Versammlungen zu organisieren, Hilfe um mit den Reaktionen der Pfadfinder*innen umzugehen, etc.;
  • Anpassung der Logistik: Erhöhung der Schulungsorte, um die Teilnehmerzahlen der anwesenden Leiter*innen zu limitieren, Virtuelle Schulungen und Versammlungen, etc.;
  • Verwaltung der Covid Fälle in den Einheiten;

Wegen dieser Gründe, und weil ein Teil des Jahresbeitrags zur Sicherstellung der solidarischen Mechanismen des Verbands dient, ist es uns nicht möglich den Beitrag zu erstatten. 

Allerdings ist es möglich, dass die Einheit einen Betrag zur Deckung von Snacks oder der Anzahlungen für Weekends oder für das Lager zu unserem Jahresbeitrag hinzugefügt hat. Kontaktieren sie in diesem Fall die Einheitsequipe und bitten sie um Erstattung der letztendlich nicht erstandenen Unkosten für ausgefallene Aktivitäten. 

Wir wissen, dass die Situation für alle nicht einfach ist und möchten daran erinnern, dass wir für den Fall von finanziellen Schwierigkeiten über mehrere solidarische Mechanismen verfügen. Zögern sie nicht, sich in diesem Fall an uns zu wenden!