Wie gehe ich mit den reaktionen meiner pfadfinder *innen um?

Egal ob Leiter, Kinder oder Jugendliche. Das Erlebte ist für alle anders, wenn sie zur Versammlung kommen. Hier findest du einige Themen mit denen du konfrontiert werden könntest und die dir evtl. unangenehm sein könnten. 

Unser wichtigster Rat: Zuhören und auf seine Fähigkeiten als Leiter*in vertrauen.

Ein*e Pfadfinder*in scheint sich nicht wohl in seiner*ihrer Haut zu fühlen. Dieses Verhalten ist ungewöhnlich. 

  • Nimm dich zurück und relativiere. Evtl. hat dieses Verhalten nichts mit der Situation zu tun und ist nur vorrübergehend;
  • Beobachte, ob dieses Verhalten andauert. Frage deine Staffmitglieder, ob ihnen das gleiche aufgefallen ist;
  • Sprich einzeln mit dem*der Pfadfinder*in. Berichte ihm*ihr von deiner Sorge und höre ihm*ihr zu.
  • Solltest du dich dabei nicht wohl fühlen, bitte jemand anderen aus deinem Staff mit ihm*ihr zu reden. 
  • Bestehe nicht darauf, wenn der*die Pfadfinder*in deine Hilfe nicht möchte, aber versichere dich, dass sein*ihr Verhalten sich mit der Zeit positiv entwickelt. 
  • Sag ihm*ihr, das du auf ihn*sie achten wirst und weiterhin für ihn*sie da bist.

Manche Pfadfinder*innen haben Angst sich und andere anzustecken.

  • Höre zu und stelle deine Fragen so, dass sie ausdrücken können, was ihnen Angst macht. Rede die Angst nicht klein und überlegt gemeinsam, was ihr machen könntet damit er*sie sich während der Versammlungen sicherer fühlt.
  • Nimm dir die Zeit, gemeinsam eine Liste mit dem zu erstellen was ihm*ihr Angst macht.
  • Erinnere an die Hygienemaßnahmen die während der Versammlungen Anwendung finden und an die Art und Weise, wie sie von eurer Gruppe umgesetzt werden, damit alle bei guter Gesundheit bleiben.
  • Gehe mit gutem Beispiel voran, indem du die Regeln respektierst. Die Pfadfinder*innen werden sich sicherer fühlen, wenn Sie sehen, dass du die Maßnahmen nicht auf die leichte Schulter nimmst. 

Manche weichen den Anderen aus, zeigen sich distanziert, selbst ihren besten Freunden*innen gegenüber. 

  • Sprich mit ihnen, um auszumachen, woher dieses Verhalten rührt. Ist es aus Angst, sich bei den Anderen anzustecken? Oder eher etwas Anderes?
  • Plant Aktivitäten die die soziale Bindung innerhalb der Sektion fördern. 
  • Erinnere daran, dass es möglich ist die Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen der Gruppe einzuhalten, ohne sich komplett von der Gruppe abzukapseln. 
  • Dauert das Verhalten an, sprich mit den Eltern oder einer Person die dir helfen kann, die Dinge klarer zu sehen (z.B. mit einem Mitglied der Einheitsequipe).

Ein*e Pfadfinder*in erzählt mir von, während des Lockdowns, erlebter Gewalt.

  • Nimm dir die Zeit, zuzuhören, damit er*sie sich gehört fühlt.
  • Akzeptiere, dass du nicht die Kompetenzen besitzt, das Problem zu lösen.
  • Teile ihm*ihr deine Besorgtheit mit und danke ihm*ihr für sein*ihr Vertrauen.
  • Sag ihm*ihr, dass das was er*sie erlebt hat nicht harmlos ist, und das es Möglichkeiten der Hilfe gibt.
  • Gib ihm*ihr die Nummer von Ecoute Enfants (103, nur französisch). Der Dienst ist kostenlos und anonym.
  • Du darfst tatenlos bleiben, wenn du von diesen Problemen erfährst. Erkläre dem*der Pfadfinder*in, dass du mit einem*r anderen Erwachsenen über deine Sorgen sprechen musst (deinem*r Einheitsleiter*in), die weiß was in diesem Fall zu tun ist.
  • Es ist nicht an dir, die Eltern zu Rede zu stellen. Überlasse dies einer qualifizierten Person, die weiß wie man derlei Situationen bewältigt.
  • Bleibe auf dem Laufenden, was die weiteren Schritte betrifft. Sprich mit ihm*ihr darüber was er*sie von dir erwartet, und widme dem*der Pfadfinder*in etwas mehr Aufmerksamkeit. 

Scout assistance

Ein*e Pfadfinder*in erzählt mir vom Verlust einer geliebten Person in der Covid-19 Zeit. Ich weiß nicht, wie ich reagieren soll.

  • Nimm dir die Zeit, ihm*ihr zuzuhören, damit er*sie seinen*ihren Kummer ausdrücken kann. In einer Zeit, in der die Trauerrituale verändert, oder gar ganz verboten wurden, kann der Verlust einer nahestehenden Person – egal ob aufgrund von Covid-19 oder nicht – schwierig zu überwinden sein.
  • Informiere den Staff über die Situation (wenn der*die Pfadfinderin einverstanden ist).
  • Biete an, weiter für Gespräche zur Verfügung zu stehen, falls nötig.
  • Biete einen Ort für innere Einkehr an, einen Bereich zum Abschalten, sich auszusprechen, sich zu finden, etc.

Manche Pfadfinder*innen respektieren die vereinbarten Gesundheits- und Sicherheitsregeln nicht.

  • Hänge die Regeln für alle sichtbar aus, sprich zu Jahresbeginn darüber und stelle eine Gruppencharta auf.
  • Versuche, die Ursache für dieses Verhalten zu ergründen: Handelt es sich um ein Versehen, oder ist es ein absichtlicher Bruch der Regeln?
  • Gestehe Fehler zu, erläutere die Regel erneut und appelliere an den gesunden Menschenverstand.
  • Die Art und Weise der Umsetzung der Gesundheitsregeln spielt eine große Rolle für das Wohlbefinden der Pfadfinder*innen. Vermeide es, den Gesundheitsrahmen in etwas zu verwandeln, das Angst und Schuldgefühle hervorruft (indem du, z.B., Bestrafungen vermeidest).
  • Erkläre die Regeln auf eine positive und spielerische Art und Weise.
  • Befrage die Pfadfinder*innen und diskutiere mit ihnen ob sie mit den Regeln einverstanden sind.

Ich bekomme mit, dass einige Pfadfinder*innen Informationen verbreiten, die ich für gefährlich und falsch halte. Wie kann ich intervenieren?

  • Frage sie, woher sie diese Informationen haben. Aus welchen Quellen? Gerüchte und Spekulationen sind in Krisenzeiten normal. 
  • Gib ihnen Anhaltspunkte wie sie vertrauenswürdige Informationen und Antworten auf ihre Fragen finden, und besser einordnen können.
  • Verfügst du über vertrauenswürdige Informationen, nimm die die Zeit, im Rahmen deiner Kenntnisse, auf ihre Fragen zu antworten.
  • Fühle dich nicht verpflichtet um jeden Preis zu antworten, vor allen Dingen, wenn du dir nicht ganz sicher bist. 
  • Bevorzuge die Einfachheit: benutze einen verständlichen, dem Alter der Pfadfinder*innen angepassten, Wortschatz.
  • Schließe mit einer positiven Information ab.

Manche Pfadfinder*innen drücken ihre Angst vor der Zukunft aus: Welchen Einfluss wird die Pandemie auf die Schule haben? Wird es eine schwere wirtschaftliche Krise geben?

  • Höre ihren Sorgen zu, ohne sie abzutun oder klein zu reden. Äußern sie ihre Sorgen, so sind diese wichtig für sie.
  • Sag ihnen, dass es ganz normal ist, da wir uns in einer Stresssituation befinden, die für uns alle neu ist.
  • Setze dich mit den Sorgen auseinander und beschäftige dich mit möglichen Lösungen (um in eine positive Richtung zu arbeiten).
  • Manche Situationen befinden sich außerhalb unseres Kontrollbereichs und können nicht sofort in Angriff genommen werden (z.B. der Jobverlust eines Elternteils). Verdeutliche ihnen, dass es nichts bringt, Energie in unveränderbare Dinge zu investieren.

Manche Pfadfinder*innen beteiligen sich kaum am Leben der Sektion oder an den Aktivitäten. 

  • Rufe dir in Erinnerung, dass die Pfadfinder*innen während des Lockdowns kaum soziale Kontakte pflegen konnten. Es kann sein, dass sie sich zuerst wieder an die Beziehungen zu ihren Freunden*innen gewöhnen müssen.
  • Eine angstmachende Situation beeinträchtigt die Konzentration. Wenn das Sicherheitsgefühl fehlt, ist es schwierig sich auf eine Aktivität zu fokussieren.
  • Biete ihnen einen Bereich der Aussprache an, in dem sie frei in kleinen Gruppen oder mit der Sektion sprechen können. 
  • Rufe ihnen die Wichtigkeit eines*r Jeden für das Leben in der Gemeinschaft sowie das Wohlbefinden während der Versammlungen ins Gedächtnis.